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Neulich habe ich Weihnachten gefeiert! Na ja, so ein bisschen. Immerhin gab’s die Weihnachtsgeschichte. Von mir erzählt, und ein paar andere haben zugehört. Ich hatte den Job gezogen, sie nicht nur zu erzählen, sondern mich noch besonders darauf vorzubereiten. (Eine ganz fabelhafte Idee, eigentlich fest im Jahreslauf verankerte Feste mal ganz wann anders zu feiern, z. B. Spargelstechen am 24.12. – eine echte Alternative!)

Habe ich dann auch gemacht, mich drauf vorbereitet. Habe die Geschichte von Gott und der Welt zu Weihnachten erzählt und kam dann zu einem der Highlights der Geschichte: den Hirten. Wenigstens zu ihren Personen hatte ich herausgefunden, welche krasse Bedeutung sie eigentlich für die ganze Geschichte spielen und dass die Leute vor 2.000 Jahren das auch kapiert haben, wenn sie die Geschichte hörten. Das alles mündete in einem Spitzensatz: Ich sagte, die Hirten hätten damals ungefähr den gleichen Ruf gehabt, wie Neo-Nazis bei uns heute. Da ging ein Raunen durch die Bude und ich wurde angeguckt, als sei ich selbst einer - mein lieber Mann! Und ganz kurz fürchtete ich um mein Leben. Ich fügte noch fix an, dass ich damit überhaupt nichts über die politische Gesinnung der armen Hirten von vor 2.000 Jahren gesagt haben wollte. Mir wäre es vielmehr darum gegangen, auf den gesellschaftlichen Status der antiken Schäfer hinzuweisen, von dem ich glaube, dass er der gleiche ist, wie der von Neo-Nazis bei uns heute. Da gab’s ein langes Schweigen, dessen Bedeutung mir heute immer noch nicht ganz klar ist.

Neo-Nazis vertreten und verbreiten eine Gesinnung, der ich mich nicht anschließen möchte und von der ich eigentlich nicht möchte, dass sie überhaupt verbreitet wird. Aber ich habe neulich mal gedacht: Eigentlich sind die meisten doch arme Schweine – würden sie sich ändern, wenn man ihnen gegenüber nicht mit blankem Hass treten würde? In dem Haus für Kinder und Jugendliche, in dem ich arbeite, habe ich ein eigenes Experimentierfeld dafür. Da sind auch so’n paar verkappte Rechte, die von irgendwo her eine Ideologie gesteckt bekommen, aber sie nie reflektiert haben. Sie merken bloß, dass sie keine Alternative zu ihrem braunen Denken kennen, um mit ihrer Zukunftsangst und ihrer Unsicherheit vor dem Fremden umgehen können. Eigentlich sind sie die ganz armen Schweine und deshalb Außenseiter. Also: Würde sich was ändern, wenn wir ihnen anders, als mit bloßer Ausgrenzung begegnen würden?!


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