Nicht nur 20 Jahre Mauerfall werden in diesem Jahr feierlich begangen, sondern auch der 90-jährige Geburtstag der Bauhaus-Bewegung. Der Ursprung der künstlerischen Avantgarde und der Vorreiter des Modernismus lag in der Kunstschule, die Walter Gropius in Weimar gründete. Später zog das Institut als Bauhaus nach Dessau um, wo u.a. Mies van der Rohe, Lyonel Feininger, Paul Klee oder Wassily Kandinsky Dozenten wurden. In den Werkstätten lehrten sie ihre Studenten in kreativer Zusammenarbeit und nicht als Autorität.
Genauso revolutionär wie das pädagogische Konzept waren auch die Inhalte dieser neuen Kunstrichtung, deren Hauptmaxime lautete: «Der Künstler ist eine Steigerung des Handwerkers.» So war Funktionälität sehr wichtig, die Arbeitsergebnisse waren auf das Wesentliche beschränkt und wirkten geradezu asketisch. Um das abzubilden, daran zu erinnern und in diesem Sinne zu inspirieren, gibt es das ganze Jahr Veranstaltungen von Weimar über Dessau bis hin nach Berlin. Im Rahmen dieser Veranstaltungen wird Bauhaus nicht nur kunsthistorisch beleuchtet, sondern auch versucht, sich dem Prinzip des Bauhaus «Form follows function» in allerlei unterschiedlichen Lebensbereichen zu nähern.
Das Kloßmuseum Thüringen in Heilchingen veranstaltet eine Sonderausstellung mit dem Titel «Bauhaus kulinarisch» inklusive Kochweltmeisterschaft sowie Entwurfswettbewerb für «Kloßwerkzeuge». In Erfurt wird «Der Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny» von Bertold Brecht und Kurt Weill aufgeführt (beide werden auch der Bauhausbewegung zugeordnet). Ballett, Textilkunst, Metallskulpturen oder Keramik können ebenfalls Ausdruck des Modernismus sein. Der Umzug von Weimar nach Dessau wird thematisiert mit der szenischen Collage «Im milden Glanz der Bratwurst» im Volksbad Jena und es gibt sogar einen Strickworkshop zum Thema Bauhaus. Gelmeroda, Vollersroda, Mellingen, Thüringen, Weimar und Dessau haben in diesem Jahr einiges zu bieten, der Ausflug in die Provinz kann sich wirklich lohnen.
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